Die 7 Schritte

Die sieben SchritteDie Liturgie von „Spiritualität im Alltag“ (aus dem Handbuch „Spiritualität im Alltag“, mit freundlicher Genehmigung des Gemeindekollegs der VELKD)

ANKOMMEN – ZUSAMMENKOMMEN – GESPRÄCH
Dieser Teil ist die Brücke hinein in die Liturgie, heraus aus der Woche, durch die ich seit der letzten Woche gegangen bin. Ich komme an; erlebe, dass ich nicht allein bin; nehme andere wahr und werde wahrgenommen. Ich entdecke neu: Mit diesen Menschen will ich tragfähige Gemeinschaft („caring community“) leben.

1 ANRUFUNG – Verbunden sein
„Es ist, wie es ist“ – und so, wie ich bin, bin ich jetzt da; als ein Mensch, der in vielfältigen Beziehungen lebt: zu seinen Mitmenschen und zu Gott. Ich werde in dieser Liturgie kein anderer sein als der, der Du bist von Gott gerufenich in der vergangenen Woche war. Niemand verlangt das von mir.
Ich weiß, dass ich mit allem, was Gott geschaffen hat, verbunden bin. Ich erinnere mich daran, dass ich weiß vom Reich Gottes und in der Gemeinde als dem Leib Christi lebe.
So, wie ich bin, werde ich jetzt gerufen – erinnert an den ersten Ruf Gottes, der (in der Taufe) an mich ergangen ist. Ich bestätige, dass ich gerufen bin, mit meiner Antwort:
„Amen“; d.h. ich will verantwortlich leben.

2 SÜNDENBEKENNTNIS – FREISPRUCH – VERGEBUNG – Annahme erfahren

Im Sündenbekenntnis gebe ich mich meinen Geschwistern in der „Familiengruppe“ (sie steht stellvertretend für den Leib SchüsselChristi) zu erkennen als der, der ich bin. Ich öffne mich und teile beispielhaft mit, wie ich mein Glaubensbekenntnis in dieser Woche gelebt habe. Ich muss nicht alles aufzählen, was in der vergangenen Woche geschehen ist – ich teile aber mein Leben mit den Geschwistern.

Freispruch ereignet sich in der Weise, wie die Geschwister in der „Familiengruppe“ mir zuhören. Sie werden mir darin zum Bild für Gottes Annahme, die in der christlichen Gemeinschaft erfahrbar wird. In Ihnen begegnet mir Christus als der, der in mir den Menschen zu sehen fähig ist, der ich als „Erlöster“ / „Befreiter“ schon für Gott bin. Ich werde nicht verurteilt, nicht belehrt – ich spüre: Du bist angenommen, wie du bist.
Vergebung bedeutet, dass Gemeinschaft zwischen uns und mit Gott wieder hergestellt ist – die Sünde (Trennung) ist gebrochen. Was ich mitgebracht habe, muss mich nicht mehr belasten – ich bin neu offen für das, was Gott mir heute sagen will.

3 VERKÜNDIGUNG – Wort Gottes hören

Wir hören, wie Gott sich offenbart hat (greifbar geworden ist) in seiner Geschichte mit den Menschen. Grundlage dafür ist uns die BBuchibel als Niederschrift dieser vielen Offenbarungen Gottes. Gott handelt ständig in der Geschichte bis heute – darum lassen wir uns durch einen Text hineinnehmen in die Bewegung, die sein Wort schafft, damit wir selbst in Bewegung kommen.

· Damals-Wort

Wir spüren einem „fremden“ Text nach: spielerisch, durch Vortrag, durch Gespräch … Wir wissen, dass Gottes Wort uns in Bewegung bringen wird. Darum müssen wir nicht Sorge haben, dass wir nichts verstehen. Wir überlegen gemeinsam: Wie ist Gott den Menschen damals begegnet? – damit wir weiterkommen zu den Fragen, was Gott uns heute sagen möchte.

· Heute-Wort
Wir fragen in einer zweiten Suchbewegung danach, was dieses Wort Gottes uns für den heutigen Tag an Fragen stellt, an Orientierung schenkt oder an Herausforderungen zumutet. Welche Bedeutung hat dieser Text für uns als Gemeinde heute?

· Persönliches Wort
Ich gehe einen Schritt weiter und ganz zu mir selbst; überlege, was mich persönlich in diesem Text angesprochen, was mir gut getan oder mich herausgefordert hat. Vielleicht schreibe ich mir auf, was mich bewegt, damit es nicht verloren geht.

4 GLAUBENSBEKENNTNIS – Antwort geben

Wie nun wird meine Antwort auf das Wort Gottes in der kommenden Woche aussehen?Schuh
Ich überlege, welche Konsequenzen sich daraus für mein Leben in der vor mir liegenden Woche ergeben. Ich werde mir bewusst, dass ich in einer Vielfalt von Beziehungen lebe – was ist mir durch den Text dazu aufgegangen?
Ich spreche es vor den Geschwistern in der „Familiengruppe“ offen aus, wie meine Antwort auf Gottes Wort (möglichst konkret!) aussehen wird. Wenig hilfreich sind allgemeine Absichtserklärungen.

5 DANKOPFER – Gabe sein

Wir geben uns selbst und alles, was wir sind und tun wollen, Gott und den anderen – und vertrauen darauf, dass Gott unsere Gaben darin zur Entfaltung bringt.
TaschentuchIch schreibe auf, was ich mir für diese kommende Woche vornehme: ob ich etwas für mich oder jemanden tue, ob ich vielleicht etwas mit Bedacht lasse. Dann lege ich meine Bereitschaft in Form dieses Blattes auf den Altar. Es kann helfen, dabei (laut oder leise) zu sprechen: „Dein Wille geschehe.“
Eine besondere Gabe ist die Fürbitte (im Stillen oder offen ausgesprochen) der Gemeinde:
für uns selbst und die ganze Welt. Wir vergegenwärtigen uns, dass wir mit allen und allem auf dieser Erde in Beziehung und verbunden sind. Das alles nehmen wir mit hinein in unser Gebet – und teilen so mit der gesamten Schöpfung und allen unseren Schwestern und Brüdern auf der Erde Not, Leid und Sorge, aber auch Dankbarkeit, Hoffnung und Freude.

6 ABENDMAHL – Gemeinschaft feiern

Wir feiern den Leib Christi, als der wir in der Welt leben. Durch Christus ist die Einheit geschaffen, in der alle Unterschiede zwischen uns aufgehoben sind. Trotz der Wahrnehmung von Spaltung, Uneinigkeit, Trennung lassen wir uns von Gott FriedenKelch und Einheit schenken und entdecken, wie wir in einem gemeinsamen Entwicklungsprozess nach und nach und tiefer und verbindlicher in diesen Frieden und diese Einheit hineinwachsen.

7 SEGEN – bestärkt werden

Gott ist schon in der Welt und erwartet uns an allen Orten, an denen wir zum Dienst berufen sind und als Gabe Riegelfür andere leben. Wir gehen gesegnet (d. h. von Gottes gutem Wort begleitet) auseinander, um zu segnen und Segen zu werden für andere.